Home

Defekte Gameboy-Tasten reparieren

Dienstag, 15. März 2011 | Autor:

Neu­lich hatte ich, aus wel­chem Anlass auch immer, plötz­lich Lust mei­nen Game­boy wie­der raus­zu­kra­men. Nach­dem ich ihn end­lich gefun­den hatte (und neben­bei einen KC aus der DDR aus­ge­gra­ben hatte) die Ernüch­te­rung: Die Start-Taste geht nicht!

Bei ifi­xit1 stand, man solle ein­fach die Tas­ten wie­der kor­rekt anord­nen und das wär’s dann. Da die Posi­tion der Tas­ten durch das Gehäuse schon rela­tiv fix ist, denke ich eher, dass die Kon­takte schlicht ver­schmutzt waren - jeden­falls gin­gen sie wie­der, nach­dem ich sie gerei­nigt und vorm Zusam­men­schrau­ben ordent­lich ange­ord­net habe.

Für die Nach­welt folgt nun eine detail­lierte Beschrei­bung der Reparatur…

Mate­ria­lien und Werkzeuge

Eine Triwing-Schraube - d.h. eine Schraube mit einem "Kreuz" aus drei Balken, statt den üblichen vier.

Triwing-Schraube: „Kreuz” aus drei Bal­ken, statt vier.

Nin­tendo will offen­sicht­lich nicht, dass man deren Pro­dukte auf­schraubt. Die Gehäu­se­schrau­ben sind soge­nannte Tri­wings - quasi Kreuz­schlitz­schrau­ben mit einem Kreuz aus drei, statt vier, Bal­ken. Ich habe einen Triwing-Schraubendreher bei Con­rad bekom­men. Der war aller­dings mei­nem Gefühl nach zu spitz, sodass ich 0,5-1mm abge­schlif­fen habe2. Es gibt wohl auch Triwing-Bits, aber da muss man auf­pas­sen, dass der Bit­hal­ter noch in die Ver­sen­kun­gen im Gehäuse reinpasst.

Spitze eines Triwing-Schraubendrehers. Die Spitze ist 0,5 bis 1mm abgefeilt.

Abge­feilte Spitze des Triwing-Schraubendrehers.

Wei­ter­hin braucht man Wat­te­stäb­chen und Alko­hol oder ähn­li­ches um die Kon­takte zu rei­ni­gen. Ich selbst habe aller­dings eines die­ser abge­pack­ten feuch­ten Bril­len­putz­tü­cher genom­men. Für die inne­ren Schrau­ben braucht man noch nen Kreuzschlitzschraubendreher.

An sich ist die Mate­ri­al­liste übersichtlich:

  • Triwing-Schraubendreher
  • Kreuzschlitz-Schraubendreher
  • Rei­ni­gungs­ma­te­rial

Auf­schrau­ben

Um das Gehäuse zu öff­nen, müs­sen 5 Schrau­ben gelöst wer­den. Im Bat­te­rie­fach ist rechts eine sechste Schraube. Die ist mei­ner Ansicht nach aber ein rei­ner Fake. Ich sehe nicht, dass sie irgend­et­was zusam­men­hielte3, dafür ist sie aber schwer, wenn über­haupt, zu lösen. Ich ver­mute, sie dient ein­zig der Demotivation.

Auf der Rückseite befinden sich sechs Schrauben. In den vier Ecken der oberen Hälfte sind jeweils eine versenkt. Im Batteriefach sind zwei weitere - eine am linken, eine am rechten Rand. Nur die am linken Rand lässt sich lösen! Die andere spielt keine Rolle und kann drin bleiben.

Blau: 5 Schrau­ben, die raus müs­sen. Gelb: Fake-Schraube - die bleibt drin.

Sind die Schrau­ben gelöst, kann man den Game­boy vor­sich­tig(!) aus­ein­an­der­klap­pen. Die bei­den Hälf­ten sind durch ein Flach­band­ka­bel mit­ein­an­der ver­bun­den. Ach­tung! Ich könnte mir vor­stel­len, dass es sehr schwer würde, die­ses wie­der zu ver­bin­den, sollte es sich lösen! Ich per­sön­lich kann daher nur raten, die­ses Band nicht zu strapazieren.

Die Pla­tine in der oberen/vorderen Hälfte ist mit ins­ge­samt 10 Schrau­ben (glück­li­cher­weise nor­male dies­mal) sowie drei Plas­tik­ha­ken in der Gehäu­se­schale befestigt.

Position der 10 Schrauben im Uhrzeigersinn: Von der Rückseite des Lautsprechers gehen zwei dünne Kabel ab. Links oberhalb deren Ende in der Platine, am Rand, nah an der Gehäusewand befindet sich die erste Schraube. 2,5cm oberhalb, ebenfalls am Rand befindet sich die zweite Schraube. Wiederum 2,5cm oberhalb, nicht mehr direkt am Rand, oberhalb eines Plastikzylinders ist die dritte Schraube. Wiederum rechts oberhalb befindet sich einer der Plastikhaken. 3cm über diesem befindet sich der zweite Plastikaken. Die vierte Schraube befindet sich 2cm rechts von der oberen linken Ecke der Platine. 3,5cm rechts von dieser befindet sich die fünfte Schraube. Die Schrauben sechs und sieben befinden sich symmetrisch zu den Schrauben zwei und drei am rechten Rand der Platine, d.h. die Sechs befindet sich wieder über eines Plastikzylinders, die Sieben 2,5cm unterhalb. Auf halber Strecke zwischen Sechs und Fünf befindet sich der dritte Plastikhaken. Die Acht und Neun befinden 1,5 bzw. 4bm vom unteren Rand entfernt - zwischen ihnen verläuft einer von zwei senkrechten Drähten. Die zehnte und letzte Schraube befindet sich 2,5cm links von der neunten.

Blau: 10 Schrau­ben, Grün: 3 Plastikhaken

Diese Schrau­ben und Plas­tik­ha­ken müs­sen sämt­lich gelöst werden.

Ober­seite der Platine

Danach kann die Pla­tine mit­samt dem Laut­spre­cher (unten links) abge­ho­ben wer­den. Ihre Ober­seite sieht dann so aus:

Pla­ti­nen­vor­der­seite von links betrachtet.

Die vio­let­ten bzw. schwar­zen Teile der B und A-Knöpfe bzw. des Steu­er­kreu­zes sind aus Plas­tik und kön­nen ein­fach abge­nom­men wer­den. Start- und Select-Knopf feh­len diese.

Ansons­ten besteht jeder Knopf aus einer Gum­mi­matte, die im aus­ein­an­der­ge­bau­ten Zustand lose auf der Pla­tine liegt. An deren Unter­seite befin­den sich schwarze, eben­falls gum­mi­ar­tige Kon­takte, die beim Druck auf den Knopf einen Spalt auf der Pla­tine über­brü­cken. Diese Kon­takte am Knopf und auf der Pla­tine, soll­ten gerei­nigt wer­den. Also ein­fach mal drüberwischen.

Nun muss das ganze wie­der zusam­men­ge­baut wer­den. Ob die Gum­mi­mat­ten rich­tig lie­gen, sieht man daran, dass die klei­nen Löcher in ihnen über den ent­spre­chen­den Löchern in der Pla­tine lie­gen. Die Pla­tine muss dann wie­der von unten in die Gehäu­se­schale gebracht wer­den, mög­lichst ohne dass die Mat­ten ver­rut­schen. Ab einer gewis­sen Stelle geht es nicht recht wei­ter, weil die Plas­tik­ha­ken Wider­stand leis­ten. An die­sem Punkt kann man das Kon­strukt wie­der umdre­hen und dann die Pla­tine sanft in die alte Posi­tion drü­cken, sodass die Haken ein­ras­ten. Ich per­sön­lich habe aus Faul­heit nur eine der Schrau­ben wie­der rein­ge­dreht. Ach­tung! Da ist ein Loch mit einem „hier keine Schraube rein!”-Symbol dane­ben. Ver­mut­lich sollte man die­sen Tipp beher­zi­gen. (Hin­ter dem Loch befin­det sich der Bildschirm.)

Als nächs­tes bringt man die bei­den Game­boy­hälf­ten wie­der zusam­men. Bevor ich sie zusam­men­ge­schraubt habe, habe ich schnell pro­biert, ob die Tas­ten nun wie­der gin­gen. Danach habe ich 3 der 5 Gehäu­se­schrau­ben wie­der reingedreht.

Fer­tig!

 

  1. Danke an Adi­wan für den Tipp!
  2. Aller­dings war die Schraube, an der ichs pro­biert habe, aus­ge­rech­net die Fake-Schraube (wird wei­ter unten erklärt), inso­fern geht es viel­leicht auch ohne Abschlei­fen.
  3. In die­sem Foto der unte­ren Hälfte des auf­ge­schraub­ten Game­boys ist mit Blau die Stelle mar­kiert, in die diese Schraube hin­ein­bohrt - es ist ein blo­ßer Abstand­shal­ter. Sofern nicht in der Rück­wand des Bat­te­rie­fachs noch etwas rele­van­tes drin steckt.

Tags »

Trackback: Trackback-URL |  Feed zum Beitrag: RSS 2.0
Thema: Allgemein

Diesen Beitrag kommentieren.

4 Kommentare

  1. 1
    Seb 

    Hallo, vie­len Dank für die Anlei­tung. Ich habe wohl ein Gerät aus einer ande­ren Revi­sion (gekauft Anfang 1991). Bei mir sind nor­male Kreuz­schrau­ben ver­baut und ich musste auch die zweite Gehäu­se­schraube im Bat­te­rie­fach lösen, um den Game­boy öff­nen zu kön­nen.
    Bei mir ver­sagte die Start-Taste. Habe die Kon­akte alle mit Kon­takt­spray gerei­nigt (und die Chance genutzt das Dis­play von innen gleich noch mit­zu­put­zen) und wie­der sorg­fäl­tig zusam­men­ge­baut. Ergeb­nis: Der Game­boy läuft wie­der genauso wie vor fast 23 Jah­ren. Ich bin begeis­tert und werd jetzt erst­mal ne Runde Tetris zocken.

  2. 2
    Lotti 

    Hallo.
    Auch ich kann mich nur herz­lich bei dir bedan­ken.
    Dank der Anlei­tung funk­tio­niert wie­der alles ein­wand­frei. Sogar tot­ge­glaubte Pixel­spal­ten sind wie­der­be­lebt wor­den.
    Danke!

  3. 3
    ydtparts 

    Very hel­pful, very grateful!

  4. 4
    Frank St. 

    Genia­ler Tipp, Game­boy gerettet!

Kommentar abgeben