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Informatiker sind Menschen

Samstag, 2. Juli 2011 | Autor:

Manch­mal wür­de ich am liebs­ten ver­schwei­gen, dass ich Infor­ma­ti­ker bin. Ich weiß nicht, ob das nur mei­ne sub­jek­ti­ve Wahr­neh­mung ist, aber manch­mal habe ich ein­fach das Gefühl, dass bei mei­nem Gegen­über die Alarm­glo­cken schril­len, sobald ich erwäh­ne, dass ich Infor­ma­tik stu­diert habe. Die Leu­te wer­den dann erst­mal skep­tisch, wis­sen nicht, was sie von mir hal­ten sol­len. Ich wer­de dann in eine Schub­la­de gesteckt, die in aller Regel nicht posi­tiv besetzt ist.

Neu­lich sind wir nach dem Trai­ning noch was trin­ken gegan­gen. Dabei hat einer von sei­ner ers­ten, ziem­lich mie­sen WG erzählt, die von eini­gen echt schlim­men Infor­ma­ti­kern bewohnt war. Eine Tier­me­di­zi­ne­rin, die mit am Tisch saß, hat das sofort auf Infor­ma­ti­ker all­ge­mein umge­münzt nach dem Mot­to „Infor­ma­ti­ker halt, ne?”. Sie wur­de dann aber glück­li­cher­wei­se schnell kor­ri­giert.

Bei mei­ner WG-Suche momen­tan stel­le ich manch­mal (in Zukunft nicht mehr) die Fra­ge, ob das DSL sta­bil ist. Ein­fach weil ich immer wie­der mal Geschich­ten von Leu­ten höre, bei denen das Inter­net spo­ra­disch weg ist. Da kommt als Stan­dard­ant­wort: „Aja, als Infor­ma­ti­ker ist das natür­lich wich­tig!” - wo ich dann gleich mer­ke, dass der Fra­gen­de kei­nen Schim­mer davon hat, was Infor­ma­tik ist. Viel­leicht denkt der­je­ni­ge nur: „Das sind irgend­wie die­se Selt­sa­men mit den Com­pu­tern, die wie Abhän­gi­ge den gan­zen Tag vorm Inter­net sit­zen”. Die­sel­ben Leu­te sind es aber, die sich auf den Monat genau dar­an erin­nern, wann vor 5 Jah­ren mal das DSL weg war.

Es mag auch nie­mand sein Smart­pho­ne mis­sen, oder das treue Note­book, dem man­che Leu­te sogar einen Namen geben, von Ama­zon, Goog­le, Wiki­pe­dia, Face­book ganz zu schwei­gen. Aber die Men­schen, die die­sen Din­gen über­haupt erst Leben ein­hau­chen - das sind ja nur irgend­wel­che dege­ne­rier­ten Freaks, die man am bes­ten fern hält.

Zum Glück gibt es aber auch Men­schen, die ein paar Infor­ma­ti­ker per­sön­lich ken­nen! Die wis­sen dann, dass wir auch nur ganz nor­ma­le Men­schen sind. Dass wir auch Sport machen, Lesen, die Natur genie­ßen, ger­ne Kochen, span­nen­de Hob­bys haben!
Ich wünsch­te nur, es wären mehr.

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Thema: Gedanken zu Dingen, Informatik

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2 Kommentare

  1. 1
    der_Karl 

    Hach, Schub­la­den­den­ken, wie ich es doch lie­be. 😉

    Dabei hat­te ich bis­lang eigent­lich nie das Gefühl, als Infor­ma­ti­ker in eine Schub­la­de gesteckt zu wer­den. Wobei das viel­leicht mit dar­an liegt, dass ich ja auch noch in zwei ande­ren ste­cke, die von der Gesell­schaft noch wesent­lich stär­ker mit Vor­ur­tei­len belegt wer­den („Das merkt man dir ja gar nicht an, dass du auf Män­ner stehst!”, „Goths - ihr seid doch die­se Sata­nis­ten, ne?”). Da ist im Ver­gleich die „Infor­ma­ti­ker­schub­la­de“ die am wenigs­ten stark vor­ur­teils­be­haf­te­te.

    Es dürf­te aber ver­mut­lich schwie­rig wer­den, den Men­schen ihr Schub­la­den­den­ken abzu­ge­wöh­nen. Immer­hin hat das Kate­go­ri­sie­ren ja oft genug sei­nen Sinn. Ich ertap­pe mich ja selbst oft genug dabei - es ver­ein­facht Man­ches. Aber man kann ja mal ver­su­chen, sei­nem Gegen­über eine etwas brei­te­re Infor­ma­ti­ons­ba­sis zu ver­mit­teln, damit dann alle etwas Ähn­li­ches unter einem Infor­ma­ti­ker ver­ste­hen. 🙂

  2. 2
    Nico 

    Ja, letz­te­res ist auch die Idee, die ich inzwi­schen favo­ri­sie­re. Ein­fach ein biss­chen erzäh­len, was ich so mache. 🙂

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