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Nachts

Mittwoch, 8. November 2006 | Autor:

Durch eini­ge fal­sche Ver­mu­tun­gen über den Stra­ßen­bahn­fahr­plan muss­te ich heu­te Abend prak­tisch den hal­ben Weg vom Sport­fo­rum, wo ich Mitt­wochs bis 20:30 Ju-Jutsu habe, zum Auto laufen.

Die ers­te Hal­te­stel­le von der noch ein pas­sen­de Bahn fuhr war die am Ross­platz. Auf dem Weg dahin fuhr ein Ret­tungs­wa­gen an mir vor­bei und hielt an der Hal­te­stel­le. Ein Poli­zei­wa­gen stand bereits gegen­über - ich dach­te zuerst an einen Betrun­ke­nen, den eine Strei­fe auf­ge­le­sen hat­te oder etwas Ähn­li­ches und ging ins War­te­häus­chen um zu schau­en ob eine Bahn fährt. Dabei hat­te ich schon ein Wim­mern durch die Ohr­stöp­sel mei­nes mp3-Play­ers gehört, war mir aber nicht sicher gewesen.

Dann sah ich sie… eine Frau, viel­leicht 50 Jah­re alt, etwa die hal­be lin­ke Gesichts­hälf­te mit trock­nen­dem Blut bedeckt.. eine run­de Wun­de über der Lip­pe. Neben ihr saß eine wei­te­re Frau, viel­leicht eine Bekann­te, die ver­such­te mit der Ver­letz­ten zu reden, sie zu beru­hi­gen. Ein Beam­ter kam dazu und stell­te vor­sich­tig eini­ge weni­ge Fra­gen zum Tat­her­gang. Das Wich­tigs­te war anschei­nend schon mit den Umste­hen­den gere­gelt wor­den, die wohl mit dem Han­dy eines Pas­san­ten auch die Poli­zei geru­fen hatten.

Der Poli­zist sprach von einer Schreck­schuss­pis­to­le - die mut­maß­lich Ange­schos­se­ne sag­te nichts, saß immer­noch still wim­mernd, mit lee­rem Blick auf der Bank der Haltestelle.
Dann führ­ten die Sani­tä­ter die Frau behut­sam zum RTW - immer­noch beglei­tet von der Ande­ren, die noch frag­te, ob sie mit­fah­ren sol­le. „Ich kann mich nur noch­mal bei ihnen bedan­ken” wand­te sie sich auch an den jün­ge­ren Mann, der die Sze­ne beob­ach­tet und offen­bar auch gehol­fen hatte.

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